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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 12.05.2013 Share it on Facebook


Feaga, J.B., C. A. Haas & J. A. Burger (2012): Water Table Depth, Surface Saturation, and Drought Response in Bog Turtle (Glyptemys muhlenbergii) Wetlands. – Wetlands 32: 1011–1021.

Grundwasserspiegel, Oberflächensättigung und die Reaktion auf Trockenheit innerhalb ihrer Feuchtgebiete bei der Moorschildkröte (Glyptemys muhlenbergii).


Die Moorschildkröte (Glyptemys muhlenbergii) ist dafür bekannt, dass sie selektiv Feuchtgebiete besiedelt, die nahe Gewässern mit einem tiefen schlammigen Untergrund liegen. Allerdings gibt es bislang keine Untersuchungen zur Grundwasserdynamik in deren Habitaten. Wir installierten und überwachten flache Grundwasserquellen über einen Zeitraum von 28 Monaten, um die hydrologischen Verhältnisse innerhalb von sechs regelmäßig von Glyptemys muhlenbergii genutzt werdenden Feuchtgebieten sowie innerhalb von sechs bekanntermaßen von den Tieren nicht besiedelten Vergleichsgebieten zu studieren. Insgesamt blieben die monatlichen Grundwasserspiegel in allen 12 untersuchten Feuchtgebieten mit 1 cm bis zu 35 cm unter der Bodenoberfläche recht hoch. Die von Sumpfschildkröten besiedelten Feuchtgebiete zeichneten sich jedoch durch die durchschnittlich höchsten Grundwasserspiegel und die höchsten Werte für die Bodenwassersättigung gegenüber den unbesiedelten Feuchtgebieten aus, was sich insbesondere für die Sommermonate abzeichnete. Die Unterschiede in der durchschnittlichen Grundwasserspiegelhöhe (17 cm) und der Bodenwassersättigung (25 %) zeigten sich am deutlichsten während der ausgeprägten Trockenphase im Jahr 2008 im südwestlichen Virginia. Hier blieb auch nach den normalen Regenfällen eine Differenz bestehen, was zeigt, wie wichtig der Grundwasserspiegelausgleich innerhalb der Sumpfschildkrötenlebensräume ist. Es lässt sich daraus schließen, dass schon relativ geringe hydrologische Veränderungen im Grundwasserspiegel das Potential haben, die Biologie und die Nutzung der Feuchtgebiete von Moorschildkröten zu beeinflussen, denn Moorschildkröten nutzen in erster Linie nur die obersten 15 cm der Bodenschicht und sie selektieren die Mikrohabitate mit der höchsten Wassersättigung des Bodens, selbst dann wenn es davon nur noch wenige Stellen gibt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit verweist auf einen wichtigen Aspekt, der nur allzu oft bei den Erhaltungsplanungen für Lebensräume von Amphibien und Reptilien vernachlässigt wird. Denn Grundwasserspiegelabsenkungen sind ja in unserer dicht besiedelten Umwelt fast weltweit ein nicht zu vernachlässigendes Problem und sie finden meist nur dort Beachtung, wo es direkt zu Verlusten bei der landwirtschaftlichen Nutzung der betroffenen Flächen kommt. Dabei wird gerade den vielen Hobbynaturschützern oft das Problem gar nicht so deutlich, weil die entsprechenden Gebiete oft noch einen weitgehend Natur belassenen Eindruck machen und in unmittelbarer Nähe keine großen Wasserverbraucher liegen. Aber das Grundwasser, das heute von so mancher Großstadt genutzt wird, stammt nicht selten aus relativ weit entfernten Gebieten. Hier wird auch wieder das Problem der Konnektivitätserhaltung deutlich, denn für ein langfristiges Überleben solcher in diesem Fall von hohen Grundwasserspiegel abhängigen Lebewesen ist es notwendig, dass sie in sehr trockenen Jahren oder gar in mehreren aufeinander folgenden Trockenjahren noch Ausweichmöglichkeiten zu weniger stark betroffenen Gebieten finden (siehe auch Kommentar zu Bowne et al. 2006, Pittman & Dorcas 2009, Hooftman & Bullock 2011). Zudem unterstreicht diese Arbeit sehr schön die Befunde einer früheren Arbeit zur Beschaffenheit von Moorschildkrötenhabitaten, die gerade diese hohe oberflächliche Bodenwassersättigung verdeutlicht, indem sie herausstellt, dass Moorschildkröten die kleinen durch die Trittsiegel des Weideviehs verursachten mit Wasser gefüllten Vertiefungen bevorzugt nutzen – und sogar auf sie angewiesen sind (Tesauro & Ehrenfeld 2007). Das so etwas nicht nur auf die Moorschildkröten Amerikas zutrifft, sondern auch hierzulande insbesondere für Laubfrosch-, Gelbbauchunken- und zum Teil für Wechselkrötenhabitate Gültigkeit hat, sollte auch jedem klar sein. Ja sogar so manche Molch- und Feuersalamanderpopulation leidet hierzulande unter einer zunehmenden Grundwasserabsenkung. Dabei geht es meines Erachtens nicht nur um das Wasser als direkten Lebensraum an sich – denn Wasser hat auch noch eine andere physikalische Eigenschaft, es leitet und speichert Wärme sehr gut. Diese hohe Wärmespeicherkapazität kann auch das Bodenklima stabilisieren, sodass die nächtlichen Temperaturabfälle geringer ausfallen und insgesamt ein ausgeglichenes, bodennahes Mikroklima aufrecht erhalten werden kann. Von Letzterem sind auch viele wechselwarme Lebewesen abhängig, was sich auch wieder hierzulande insbesondere bei den Mikrohabitaten deutlich beobachten lässt, die der Laubfrosch zur Balz nutzt.

Literatur

Bowne D. R., M. A. Bowers & J. E. Hines (2006): Connectivity in an agricultural landscape as reflected by interpond movements of a freshwater turtle. – Conservation Biology 20 (3): 780–791 oder WiF-Archiv.

Hooftman, D. A. P. & J. M. Bullock (2011): Mapping to inform conservation: A case study of changes in semi-natural habitats and their connectivity over 70 years. – Biological Conservation doi:10.1016/j.biocon.2011.09.015 oder WiF-Archiv.

Pittman, S. E. & M. E. Dorcas (2009): Movements, Habitat Use, and Thermal Ecology of an Isolated Population of Bog Turtles (Glyptemys muhlenbergii). – Copeia 2009 (4): 781–790 oder WiF-Archiv.

Tesauro, J. & D. Ehrenfeld (2007): The effects of livestock grazing on the bog turtle [Glyptemys (= Clemmys) muhlenbergii]. – Herpetologica 63 (3): 293–300.


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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus