Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Veröffentlicht: 21.08.2016 Share it on Facebook


Michell, K. & R. G. Michell (2015): Use of Radio-Telemetry and Recapture to Determine the Success of Head-started Wood Turtles (Glyptemys insculpta) in New York. – Herpetological Conservation and Biology 10 (Symposium): 525–534.

Die Verwendung der Radiotelemetrie und des Wiederfangs zur Bestimmung des Erfolgs bei einem Head-Start-Programm für Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta).


Wir benutzten die Radiotelemetrie zur zweijährigen Überwachung von drei Kohorten an ausgewilderten Schildkröten aus einem Head-Start-Programm für die Waldbachschildkröte (Glyptemys insculpta) die in den Jahren 1994, 1998 und 1999 geschlüpft waren. Zur Auswilderung kamen sechs einjährige und vier zweijährige Schildkröten, die alle ein Mindestgewicht von 130 g hatten. Wir befestigten an jedem Tier einen so genannten „Advanced Telemetry System 357“ oder R1680-Transmitter mit einem Gewicht von 3,8 bis 4,7 g. Um dieses Auswilderungsgewicht zu erzielen (ohne das es dabei zu Carapaxanomalien kommt, wie sie häufig bei zu schnellem Wachstum auftreten), entwickelten wir das so genannte „Mitchell-Protokoll“, bei dem die Schlüpflinge auf feuchtem Spaghnummoos-Substrat unter einer Weißlichtglühlampe bei einer Temperatur von 22–26 °C gehalten wurden. Um die Ausbildung einer Futterpräferenz zu vermeiden, fütterten wir nur mit aufgeweichtem Reptomin R. Wir platzierten die Jungtiere im Frühjahr vor ihrer Auswilderung in ein vor Beutegreifern geschütztes Akklimationsgehege. Wir nutzten als Auswilderungslokalitäten innerhalb des 1,5 km langen Bachabschnitts (Untersuchungsgebiet) 3 verschiedene Orte an denen sich bekannte Waldbachschildkröten-Überwinterungsorte (Hibernacula) befanden. Völlig unabhängig vom jeweiligen Auswilderungsort wanderten alle 10 Jungschildkröten bis zum zweiten Jahr nach der Auswilderung zu einem Flussabschnitt der an eine Wiese angrenzte, deren Bewuchs dominiert wurde von Goldruten (Solidago spp.), Nordamerikanischem Schlüsselfarn (Dennstaedtia punctilobula), Brennessel (Urtica dioica), Grauerle (Alnus incana subsp. rugosa), Büschelrose (Rosa multiflora) und Winterbeere (Ilex verticillata). Wir konnten alle Schildkröten über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Auswilderung überwachen. Die Überlebensrate lag bei 100 %. Wir führten dann im Frühling Erfassungen auf der Wiese durch, und wir machten Fang-Wiederfang-Beobachtungen für diese Head-Start-Schildkröten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit beschreibt zwar nur wenige Tiere, und ihre Durchführung stammt noch aus einer länger zurückliegenden Periode. Somit ist es eigentlich schade, dass sie nicht schon früher publiziert wurde, denn sie enthält gute Anhaltspunkte für die Haltung und Aufzucht. Die Schildkrötenschlüpflinge, die hier im Head-Start-Programm herangezogen wurden, stammten aus Nestern von ortsansässigen Waldbachschildkröten, die im Habitat gefunden wurden. Aus diesen Nestern wurden die Eier aus verschiedenen Gründen entnommen, wobei wohl der wichtigste war, dass diese Population unter hohem Beutegreiferdruck kaum noch Junge produzierte, weil alle Gelege geplündert wurden (das war auch das eigentliche Studienziel). Die Eier wurden künstlich in Vermiculit (Gewicht 1:1 mit Wasser versetzt) inkubiert und die Schlüpflinge wurden anschließend auf feuchtem Torfmoos in Kunststoffboxen mit geschlitztem Deckel unter einer 15 Watt Aquarienleuchstoffröhre bei 22–26 °C aufgezogen. Jede Box enthielt 5 Individuen und eine kleine Blumenuntersetzerwasserschale (2 cm tief, 14 cm Durchmesser). Dabei war das Aufrechterhalten der hohen Luftfeuchte entscheidend und was mich überraschte war, dass die Aufzucht nur mit angefeuchtetem Reptomin R (Tetra GmbH, Melle, Deutschland) ohne weiter Futterzusätze so problemlos gelang.
Die Autoren liefern zudem eine sehr gute Habitatbeschreibung, die durchaus Anhaltspunkte für eine optimale Freilandgehegebepflanzung enthält. Sie diskutieren das Langzeitüberleben der Schildkröten, wobei sie auch einen Fall erwähnen, wo sie 8 Jahre nach der Auswilderung noch eine Schildkröte fanden, an der der Sender noch befestigt und die Befestigung für einige Wachstumsanomalien am Carapax verantwortlich war.




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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus