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Veröffentlicht: 26.02.2017 Share it on Facebook


Sanchez, J., L. Alcalde & A. D. Bolzan (2015): First evidence of chromosomal variation within Chelonoidis chilensis (Testudines: Testudinidae). – HERPETOLOGICAL JOURNAL, 25: 83–89.

Erste Nachweise für chromosomale Unterschiede innerhalb von Chelonoidis chilensis (Testudines: Testudinidae).


Bei Chelonoidis chilensis handelt es sich um eine stark bedrohte Landschildkröte, die die Trockenregionen von Argentinien, Bolivien und Paraguay besiedelt. Blutproben wurden bei wild lebenden Exemplaren in Argentinien gesammelt und ebenso wurden Blutproben von Tieren mit bekanntem Morphotyp aber unbekannter Herkunft untersucht. Die zytogenetische Analyse zeigte einen diploiden Chromosomensatz von 2n=52 bei allen 25 Proben. Es wurden zwei unterschiedliche Kernmorphen – die als A und B bezeichnet wurden – nachgewiesen, die jeweils eine typische Zellkernformel von 7:5:14 und 6:5:15 aufwiesen. Die G-Bandenanalyse legt nahe, dass die Kernmorphe vom Typ B aus einer Spaltung des bei A vorliegenden Chromosomenpaares 7 hervorgegangen ist. Zusätzlich zeigten alle Proben bei der Analyse mit der Fluoreszenz In Situ Hybridisierung (FISH) mit einer Telomerprobe nur Telomerensignale an den terminalen Regionen der Chromosomen. Das beweist, dass der Kerntyp von C. chilensis keine telozentrischen Chromosomen aufweist und dass interstitielle Telomersequenzen keine Rolle bei der kürzlich erfolgten chromosomalen Evolution bei dieser Art spielten. Unsere Daten stimmen insofern überein mit den erst kürzlich erfolgten molekularen Befunden, die nur auf die Existenz von einer Art hinweisen, im Gegensatz zu den vermuteten mehreren Arten innerhalb des C. chilensis-Komplexes. Unsere Daten lassen zudem den Schluss zu, dass es möglicherweise eine positive Korrelation zwischen den Chromosomunterschieden und der geographischen Verbreitung gibt, wobei der Kerntyp A bei den Schildkröten in der trockenen Chaco-Ökoregion vorliegt, während der Kerntyp B die Schildkröten, die im Monte of Steps und der Plains-Ökoregion leben, charakterisiert. Die Morphologie der Tiere scheint aber Unterschiede aufzuweisen, die unabhängig vom Kerntyp auftreten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich um eine wie ich meine interessante Arbeit, die uns auch einen Einblick dafür liefert wie Veränderungen im Genom auftreten können, die nicht gleich dazu führen müssen, dass sie sich bei molekulargenetischen Artenbestimmung insoweit auswirken, dass man aufgrund dessen schon eine neue Art oder Unterart definiert hätte. Dennoch liefern die Autoren Anhaltspunkte dafür, dass die so genannte Kernmorphe B in einem geographisch anderen Areal lebt als die ursprünglichere Kernmorphe A. Hier zeigt sich, dass man durchaus über einen „Geographischen DNS-Erhalt“ nachdenken kann (siehe Hennessy 2015 und Kommentar). Trotzdem scheint diese Spaltung des Chromosoms 7 keine konstanten Auswirkungen auf die Morphologie zu haben, sodass die deutlichen morphologischen Unterschiede die man im Freiland beobachtet sehr wahrscheinlich auf anderen Faktoren beruhen und durchaus durch epigenetische Anpassungen an kleinräumig auftretende Veränderungen in deren Ökologie (Mikrohabitaten) während ihrer Jugendzeit und Wachstumsphase zurückzuführen sind. Letztere Möglichkeiten wurden für Schildkröten bislang noch nie untersucht, obwohl man durchaus auch aufgrund dessen was man darüber heute weiß damit rechnen kann, dass selbst artifizielle Haltungsbedingungen solch epigenetische Veränderungen initiieren und an solchen Zuchtgruppen zu studieren wären. Siehe dazu Kommentar zu Renner (2016) sowie Bidmon (2017).

Literatur

Bidmon, H.-J. (2017): Sind phylogenetische Stammbäume nur ein Traum? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 14(1): 14–27.

Hennessy, E. (2015): The Molecular Turn in Conservation: Genetics, Pristine Nature, and the Rediscovery of an Extinct Species of Galapagos Giant Tortoise. – Annals of the Association of American Geographers 105: 87–104 oder WiF-Archiv.

Renner, S. S. (2016): A Return to Linnaeus's Focus on Diagnosis, Not Description: The Use of DNA Characters in the Formal Naming of Species. – SYSTEMATIC BIOLOGY, 65: 1085–1095 oder Wif-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus