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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 24.01.2010 Share it on Facebook


Sandmeier, F., C. R. Tracy, S. duPre & K. Hunter (2009): Upper respiratory tract disease (URTD) as a threat to desert tortoise populations: A reevaluation. – Biological Conservation 142 (7): 1255-1268.

Obere Atemwegserkrankung (URTD) als eine Gefährdung für Wüstenschildkröten: Eine Re-Evaluation.


Die Beziehung zwischen Mycoplasma agassizii, ein auslösendes Agenz für URTD, und Kalifornischen Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii) illustriert generell die Komplexität der Erkrankungsdynamik bei wild lebenden Wirbeltierpopulationen. In diesem Review fassen wir die derzeitigen Erkenntnisse über URTD bei der Populationen der Kalifornischen Wüstenschildkröten der Mojave-Wüste zusammen. Wir zeigen, wie das unzulängliche Wissen über das Schildkrötenimmunsystem die korrekte Erfassung der Erkrankung verschleiern kann, und wir empfehlen bezüglich URTD Vorgehensweisen für das zukünftige Populationsmanagement. Wir verändern die derzeitige Sichtweise, die davon ausgeht, dass M. agassizii der Verursacher eines konsistenten Morbiditätsniveaus und/oder Mortalitätsniveaus über die gesamte Mojave-Wüste hinweg ist. Im Gegensatz zur bisherigen Sichtweise sollte man URTD akkurater Weise als eine Kontext abhängige Erkrankung beschreiben. Zusätzlich zeigen neue Beweise, dass es relativ hohe Spiegel an natürlichen Antikörpern für M. agassizii bei Wüstenschildkröten gibt, die vermuten lassen, dass es zu möglichen Problemen bei der Erfassung mit konventionellen, diagnostischen Methoden kommt. Ebenso wie es die Möglichkeit gibt, dass sich die Schildkröten mit diesem Immunmechanismus vor M. agassizii schützen. Aufgrund dieser Problematik bei den Tests empfehlen wir davon Abstand zu nehmen, positiv getestete Schildkröten zu euthanasieren. Auf der Basis dieser Übersicht bezweifeln wir den Sinn der derzeitigen Managementstrategien, die ausschließlich darauf ausgerichtet sind, Mycoplasma spp. bei Populationen der Kalifornischen Wüstenschildkröten zu reduzieren und favorisieren eher eine sorgfältigere Betrachtung der extrinsischen (äußeren) Faktoren als eine Ursache für eine symptomatische Erkrankung.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ein guter Reviewartikel, der zum einen die neuen Erkenntnisse zur Immunreaktion der Schildkröten in Betracht zieht und der zum anderen aufgrund dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse auch ein Umdenken bei den Managementstrategien fordert (siehe auch Hunter et al. (2008). Zudem wieder einmal eine Arbeit, die uns klar macht, wie wenig wir immer noch in Bezug auf grundlegenden physiologischen (hier im speziellen immunologischen) Prozessen bei Schildkröten wissen. Sicher, da es hier um die seit Jahren unter wissenschaftlicher Aufsicht stehenden, bedrohten Wüstenschildkröten geht, ist es nicht weiter verwunderlich, dass hier Wissenschaftler (Veterinäre) die zeitnahe Nutzung dieser neuen Erkenntnisse zum Erhalt der Wüstenschildkröten fordern. Aber sollten wir als Halter von Schildkröten, das nicht auch von unseren Tierärzten fordern? Sollten wir nicht zumindest ansatzweise darauf aufmerksam machen, dass zumindest frühere Berichte, die nach heutigen Erkenntnissen falsche Angaben zu Haltungstemperaturen, Medikamentendosierungen, Darmpassagezeiten etc. enthalten, korrigiert werden, damit sich solche Fehlerquellen nicht unreflektiert verbreiten?
Ich kann nur hoffen, dass ihnen diese Information nützen, sich selbst soweit kundig zu machen, dass sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt darauf aufmerksam machen können, wenn sie mit zweifelhaften Empfehlungen zur Behandlung oder Haltung konfrontiert werden. Siehe auch Fleming (2008), Freedberg et al. (2009).

Literatur

Fleming G. J. (2008): Clinical Technique: Chelonian shell repair. – Journal of Exotic Pet Medicine 17 (4): 246-258 oder WiF-Archiv.

Freedberg, S, T.-J. Greives, M. A. Ewert, G. E. Demas, N. Beecher & C. E. Nelson (2008): Incubation environment affects immune system development in a turtle with environmental sex determination. – Journal of Herpetology 42 (3): 536-541 oder Kommentar in SiF 2/2009.

Hunter, K. W. Jr., S. A. Dupré, T. Sharp, F. C. Sandmeier & C. R. Tracy (2008): Western blot can distinguish natural and acquired antibodies to Mycoplasma agassizii in the desert tortoise (Gopherus agassizii). – Journal of Microbiological Methods 75 (3): 464-471 oder WiF-Archiv.

Ligon, D. B., J. R. Bidwell & M. B. Lovern (2008): Incubation temperature effects on hatchling growth and metabolic rate in the African spurred tortoise, Geochelone sulcata. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 87: 64-72; oder Kommentar in SiF 3/2009.

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Schlagwörter
Arten Kalifornische Wüstenschildkröte, Gopherus agassizii
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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus