Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 20.01.2013 Share it on Facebook


Selleri, P., N. Di Girolamo, V. Andreani, A. Guandalini & N. D’Anna (2012): Evaluation of intraocular pressure in conscious Hermann’s tortoises (Testudo hermanni) by means of rebound tonometry. – American Journal of Veterinary Research 73 (11): 1807–1812.

Die Bestimmung des inneren Augendrucks bei wachen Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni) mit der Rebound-Tonometrie.


Ziel: Bestimmung des intraokularen Drucks (IOP) bei gesunden Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni).
Versuchstiere: 26 in der Freilandhaltung befindliche Griechische Landschildkröten (13 Männchen und 13 Weibchen). Das Körpergewicht reichte von 255 bis 2.310 g und die Altersspanne reichte von 4 bis älter als 50 Jahre.
Durchführung: Nach einer vorhergehenden ophthalmologischen Untersuchung der Augen wurde der IOP mit dem Rebound-Tonometer für beide Augen von jeder Schildkröte gemessen. Dabei wurden 3 Messungen für jedes Auge durchgeführt. Man erhielt aussagekräftige Messungen für beide Augen. Jeder einzelne Messwert basierte auf dem Mittelwert aus 6 vom Rebound-Tonometer automatisch durchgeführten Messungen. Es wurden statistische Analysen benutzt, um die Korrelationen zwischen den Variablen zu identifizieren wie Geschlechts- oder altersabhängige Unterschiede im IOP.
Ergebnisse: Der mittlerere IOP ± SEM der insgesamt 52 vermessenen Augen betrug 15,74 ± 0,20 mm Hg (Spanne, 9 bis 22 mm Hg). Die Ergebnisse der t-Tests ergaben keine signifikanten Unterschiede für den IOP zwischen rechtem und linkem Auge oder zwischen Männchen und Weibchen. Es wurde aber ein moderate, jedoch signifikante negative Korrelation (r=-0,41; r(2)=0,169) zwischen IOP und Körpergewicht gefunden. Die Ergebnisse des ANOVA mit Messwiederholung zeigte bei den Mehrfachmessungen eine signifikante Zunahme des IOP.
Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Die Rebound – Tonometrie erwies sich als praktisch einsetzbar, um den mittleren Augendruck bei kleinen bis mittelgroßen Landschildkröten zu bestimmen, wobei nur geringe manuelle Anforderungen notwendig waren, um die Tiere für einen Moment ruhig zu halten. Die Bestimmung der IOP-Werte bei gesunden Griechischen Landschildkröten liefern uns Referenzwerte, die wir für eine komplette ophthalmologische Untersuchung benutzen können. Diese Referenzwerte erlauben es den Klinikern besser pathologische Veränderungen am Schildkrötenauge zu diagnostizieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Über die auch beim Menschen eingesetzte Rebound-Tonometrie kann sich jeder, den es interessiert, im Internet informieren. Nun mag mancher vielleicht fragen, warum man solch eine Messung nun auch bei Schildkröten anwenden muss. Denn wer kennt schon Schildkröten mit Grünem Star? Allerdings haben viele, die sich schon länger mit der Schildkrötenhaltung beschäftigen, auch beobachtet, dass sich auch andere Erkrankungen am Auge zum Ausdruck bringen (beispielsweise trübe oder gar eingefallene Augen), und so kann, diese einleitende Studie zukünftig, sofern man sie mit der Untersuchung von an unterschiedlichen Erkrankungen leidenden Schildkröten weiterführt, durchaus ein einfach durchzuführendes, sensibles Instrument zur Früherkennung bestimmter Erkrankungen ergeben. Denn auch Stoffwechselerkrankungen und Schilddrüsenerkrankungen könnten so vielleicht viel früher erkannt werden. Das könnte durchaus für die allgemeindiagnostische Überwachung in größeren Schildkrötenhaltungen wie bei Erhaltungszuchtprogrammen praktikabel und sinnvoll sein. Allerdings wird es bis dahin noch ein etwas längerer Weg sein, denn dazu bräuchte man Daten, wie sich bei diesen Erkrankungen der Augendruck der Schildkröten ändert. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht, und ich finde es gut, dass man nun zumindest in Italien anfängt, die veterinärmedizinische Grundlagenforschung bei Schildkröten in Europa wieder etwas aufzubauen (siehe auch Selleri & Di Girolamo 2012). Letzteres hat man ja hier so gut wie nie wirklich begonnen, obwohl schon seit Jahren darüber diskutiert wird, und ob sich daran in Zukunft etwas verbessern wird, bleibt trotz des von der DGHT eingeführten Waltraud und Ingo Pauler Fonds abzuwarten.

Literatur

Selleri, P. & N. Di Girolamo (2012): Plasma 25-hydroxyvitamin D3 concentrations in Hermann’s tortoises (Testudo hermanni) exposed to natural sunlight and two artificial ultraviolet radiation sources. – American Journal of Veterinary Research 73 (11): 1781–1786 oder WiF-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus