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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 26.08.2012 Share it on Facebook


Suzuki, D., H. Ota, H-S. Oh & T. Hikida (2011): Origin of Japanese Populations of Reeves’ Pond Turtle, Mauremys reevesii (Reptilia: Geoemydidae), as Inferred by a Molecular Approach. – Chelonian Conservation and Biology 10: 237–249.

Die Abstammung der japanischen Populationen der Chinesischen Dreikielschildkröte, Mauremys reevesii (Reptilia: Geoemydidae) anhand von molekularen Untersuchungen.


Die Chinesische Dreikielschildkröte, Mauremys reevesii ist eine aquatisch lebende geoemydide Art, die weit verbreitet in Ostasien vorkommt. Wie viele andere asiatische Schildkrötenspezies ist auch diese Art in vielen der Herkunftsländer zunehmend vom Aussterben bedroht. In Japan kommt diese Schildkröte in den verschiedensten Süßwasserhabitaten vor. Obwohl diese japanischen Populationen generell als natürliche (einheimische) Bestände angesehen werden, so gab es doch jüngst Anhaltspunkte dafür, dass es sich um eingeführte, ausgesetzte Tiere handelt. Um diese Ansicht zu überprüfen, analysierten wir die Sequenzunterschiede beim mitochondrialen Cytochrom b-Gen und einer Kontrollregion in Proben von M. reevesii aus den verschiedensten Vorkommenslokalitäten innerhalb Japans und denen aus den Nachbarländern. Die Ergebnisse zeigten 3 distinkte genetische Gruppen (Gruppen A, B und C) für die japanischen Tiere, wobei die Gruppen A und B fast identisch zu einigen Haplotypen der Proben aus Korea sowie zu Proben aus China und Taiwan waren. M. reevesii-Vergleichssequenzen, die aus kommerziell in Taiwan gehandelten Schildkrötenpanzerprodukten stammten, enthielten eine Haplotypsequenz, die exakt identisch zu jener in der japanischen Gruppe C war. Somit scheinen die derzeit vorhandenen Populationen von M. reevesii in Japan auf mehrfache Importe und Ansiedlungsereignisse mit Exemplaren aus den Nachbarländern zurückzuführen sein. Dieser Befund impliziert, dass man sich Gedanken darüber machen muss, welche Auswirkungen diese eingeführten M. reevesii auf die in Japan einheimische Fauna haben, insbesondere auf die in Japan endemisch vorkommende Teichschildkröte, Mauremys japonica, die mit M. reevesii phylogenetisch nahe verwandte ist, und von der bekannt ist, dass sie mit M. reevesii in freier Wildbahn hybridisiert. Allerdings repräsentieren die japanischen Populationen von M. reevesii einen genetisch vielfältigen Stamm zur Erhaltung dieser Art, die in ihren anderen Vorkommensländern außerhalb Japans zunehmend vom Aussterben bedroht ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Arbeit, die wieder einmal die Frage aufwirft, wie gehen wir mit invasiven Arten um und vor allem, was betrachten wir grundsätzlich oder ab wann als einheimisch? Zu diesem Thema auch der Kommentar zu Velo-Anton et al.( 2011). Was mir aber an dieser Arbeit außerdem gefällt, obwohl ich die Individuenanzahl für M. reevesi und M. japonica nicht für schon so gering ansehe, dass man keine Chance mehr hätte, auch reine zukunftsträchtige Populationen in der Natur zu erhalten, ist der offene rationale Umgang mit den Fakten, den die Autoren hier an den Tag legen. Es ist nicht nur klug, sondern auch vorausschauend, nicht nur das potentielle Risiko einer Faunenverfälschung und ein Hybridisierungsrisiko zu postulieren sondern auch diese eingeführten M. reevesii Populationen als schützenswerte Erhaltungspopulationen zu diskutieren. Zumal die japanischen Wissenschaftler innerhalb ihrer eigenen Staatsgrenzen andere Schutzmöglichkeiten in Eigenregie umsetzen können, als man sie von so manchem Schwellen- oder Dritte-Weltland erwarten könnte. Hier bieten sich also auch ganz andere Möglichkeiten, als nur anderen armen Schwellenländern (mit Ausnahme von China) Vorschriften machen zu wollen, was sie zum Schutz verbessern sollten. Insofern ein guter Ansatz im Sinne der schon bei Freedberg & Myers (2012) kommentierten Sichtweise, von der unsere hier geführten Artreinerhaltungsdiskussionen noch meilenweit entfernt sind. Zynisch gefragt: Sind wir hierzulande doch noch zu rassistisch (und wertschätzend) als dass wir einen abstrakt definierten, kategorisierenden Artbegriff mit Überlebenssicherung und Artentfaltung in Einklang bringen können? Vielleicht haben uns ja diesbezgl. die Asiaten dann doch etwas voraus, was sich langfristig auch auszahlen könnte. Siehe auch Xia et al. (2011).

Literatur

Freedberg, S. & E. M. Myers (2012): Cytonuclear equilibrium following interspecific introgression in a turtle lacking sex chromosomes. – Biological Journal of The Linnean Society 106: 405–417 oder WiF-Archiv.

Velo-Anton, G., M. Wink, N. Schneeweiss & U. Fritz (2011): Native or not? Tracing the origin of wild-caught and captive freshwater turtles in a threatened and widely distributed species (Emys orbicularis) – Conservation Genetics 12: 583–588 oder WiF-Archiv.

Xia, X., L. Wang, L. Nie, Z. Huang, Y. Jiang, W. Jing & L. Liu (2011): Interspecific hybridization between Mauremys reevesii and Mauremys sinensis: Evidence from morphology and DNA sequence data. – African Journal of Biotechnology 10: 6716–6724 oder WiF-Archiv.


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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus